Interview mit Éva von Emil und die großen Schwestern

Es gibt heute endlich wieder ein Interview auf Keine Bärchen zu lesen. Ich freue mich sehr, dass Éva meine Fragen beantwortet hat. Sie ist Designerin und schreibt den Blog Emil und die großen Schwestern. Ich hatte das Vergnügen, Éva vor ein paar Wochen auf dem Hannoveraner Bloggertreffen zu treffen. Und nun habt ihr das Vergnügen, Éva im Interview etwas näher kennenzulernen!

Eva_emilunddiegrossenschwestern

Stelle Dich bitte vor:

Ich heiße Éva, bin gebürtige Ungarin und lebe seit 24 Jahren in Deutschland (Hannover). Ich  gehöre der Ü40  Generation an, genau gesagt bin ich 42 Jahre alt. Studiert habe ich Textildesign. Mit meinem Partner Simon, der Fotodesigner ist, gründeten wir gemeinsam vor 11 Jahren unseren Atelier, wo wir seitdem auch unterrichten. Früher gaben wir viele unerschiedlichen Kurse im Bereich, Kunst, Textil und Fotografie für Kinder, Jugendliche und Erwachsene und nahmen an mehreren, auch internationalen Austellungen teil.  Heute sind unsere Mappen- und Studienvorbereitungskurse für Design- und Kunst-Studiengänge unser Haupgeschäft. Unser Sohn Emil hat zwei große Schwester, Lilly, 21 Jahre alt  und Julia – sie ist 18. Daher der Blogname Emil und die großen Schwestern.

Eva_Atelier

 

Unter dem Label Emil und die großen Schwestern hast du von dir gestaltete Textilien verkauft. Wieso habt ihr euren Laden sowie den DaWanda-Shop geschlossen? Kann man deine Produkte noch irgendwo kaufen?

Nach Emils Geburt nahm die Arbeit an Kunstprojekten rapide ab. Mit einem kleinen Baby war es nicht mehr möglich, stundenlang konzentriert an Kunstprojekten zu arbeiten. Nach einigen frustrierenden Versuchen, haben wir sie für später verschoben. Alles hat seine Zeit. Die Lust an Gestaltung blieb aber und ich setzte einige, bis dahin künstlerisch genutzte Techniken, auf spielerisch-illustrative Weise auf Kissen und Pinnwände, hauptsächlich für das Kinderzimmer um.

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Als direkt neben unserem Atelier eine Ladenfläche frei wurde, mieteten wir ihn und eröffneten den  Emil und die großen Schwestern Shop. Wir verkauften ausschließlich Unikate und Handarbeit von uns, aufgearbeitete Vintage Kleinmöbel und Spielzeug. Während der Öffnungszeiten und an den Wochenenden habe ich genäht, gebastelt, gestrichen,  Wir haben tatsächlich alles selber gemacht. Ein Jahr später nahmen wir einen kleinen Shop in zentralere Lage dazu und wir führten auch Produkte von anderen Designern und Künstlern, diesmal viel mehr auch für Erwachsene.  Es war toll, aber es übernahm komplett unseren Leben und unseren Alltag. Schließlich unterrichteten wir nach Ladenschluss nebenbei täglich bis spät abends. Selbst die allerkleinsten Probleme, oder Abweichungen vom strengen, täglichen Programm wurden zum Qual. Ich hatte das Gefühl, dass ich mich zerreiße und mir alles was wichtig ist, entgleitet. Kurz haben wir über eine komplette Umstrukturierung des Ladens nachgedacht, aber ich fühlte, dass es nicht die richtige Entscheidung ist.

So haben wir den Laden zugemacht. Kurz und knapp. Innerhalb 3 Wochen war die Entscheidung getroffen und alles Leergeräumt. Es war die beste Entscheidung und habe nicht eine Sekunde bereut. Auch mein kleiner Dawandashop wurde auf Eis gelegt.

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Langsam habe ich mich regeneriert und es kann wieder losgehen. Aber mit Bedacht! Den gleichen Fehler mache ich nicht noch mal. Die Ladenfläche neben unserem Atelier haben wir behalten. Hier organisieren wir 2-mal im Jahr ein Atelierverkauf.  An den Wand und Raumgestaltungen arbeite ich wieder gerne und nehme Auftragsarbeiten an. Ein Onlineshop wird in absehbare Zeit auch wieder geben, bei Dawanda, oder anderswo, ist noch nicht klar. Bis dahin versende ich für Liebhaber gerne Produkte.

Eva_Garderobe

Du arbeitest als Designerin und stellst auch auf Deinem Blog viele DIY-Ideen vor. Was inspiriert Dich, wie kommst Du auf die Ideen für Deine Projekte?

Wenn man meinen Blog kennt, sieht man, dass die meisten Projekte aus dem Alltag geboren werden. Wir basteln und werkeln viel, auch mit Emil, ich buddele gerne im Garten oder stehe am Herd und rühre, hacke, backe und koche. Das ist das, was mich wirklich entspannt. Meist steht die Kamera in der Nähe und es wird geknippst. Einige Ideen kommen in den Blog, andere bleiben im Familienarchiv. Meine zwei große Töchter tragen ihre Ideen aus ganz andere Perspektiven bei. Das finde ich sehr erfrischend.

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Allerdings stöbere ich auch viel zu gerne in den wunderbar kreativen Blogs und lasse mich inspirieren. Mein Pinterest Boards überquellen langsam auch und ich kann schwer an einen Zeitungsstand oder Buchladen vorbeigehen, ohne etwas mitzunehmen.

 

Du hast zwei große Töchter und einen kleinen Sohn. Erlebt Du die Kinderzeit mit deinem Sohn anders als mit den Töchtern?

Ja auf jeden Fall!  Für meine beide Töchtern war ich eine sehr-sehr junge Mama. Ich war nur seit Kurzem in Deutschland. Ich hatte hier keine Familie, ich sprach die Sprache noch nicht so sicher wie heute und vieles war mir fremd.

Viele Entscheidungen habe ich viel unbeschwerter getroffen, anderseits wollte ich auch beweisen, – für wen auch immer- dass man auch eine gute Mutter sein kann, wenn man die allerjüngste an den Elternabenden ist. Oh, mein Gott, diese Elternabende mit den vielen sehr selbstbewussten, klugen, allewissenden Eltern, haben mich so eingeschüchtert!  Seitdem hasse ich Elternabende.

Ich habe mein Studium mit den Beiden organisiern müssen. Sie waren oft mit in den Werkstätten und bastelten, saßen im Hörsal mit Malstiften und machten auf ihre Weise bei meinen Projekten mit. Es scheint ihren Weg zu geprägt zu haben. Lilly fängt demnächst ihren Textildesigstudium in Hamburg an, Julia möchte auch in die künstlerischer Richtung – eventuell Richtung  Bühnenbild – nach dem Abi einzuschlagen. Ein Praktikum nach dem Sommer soll die Entscheidung erleichtern.

Mit Emil könnte ich nicht nicht vorstellen im Hörsaal zu sitzen. Er ist ganz anders, als die Mädchen. Ein Energiebündel, ein echter Junge. Die Nähkästchen haben Werkzeugkästen abgewechselt. Statt Ballett gibt es unermüdliches klettern und rennen. Der Garten ist eine große Hilfe!

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Die Zeit mit Emil erlebe  ich bewusster als damals. Jetzt weiß ich, wie schnell die Kinder groß und selbständig  werden und ihre eigene Wege gehen. Ich genieße es, wieder einem kleinen Kind beim Großwerden zuschauen und  begleiten zu können.

 

Wie sieht ein typischer Tag bei dir aus?

Jetz viel entspannter, als vor knapp einem Jahr. Der Wecker klingelt viertel vor sieben. Ich lese Emil während des Kaffetrinkens  eine kleine Gechichte vor, dann das übliche Morgenprogramm. Von 8 bis 14 Uhr ist er im Kindergarten. In dieser Zeit versuche ich mich  auf meine eigene Sachen zu konzentrieren. Da wir beide selbstständig arbeiten, können wir immer gut organisieren, wer, wann, was macht. Projekte außerhalb versuchen wir nicht an einen Tag zu legen. Ich versuche die Hausarbeit auch in dieser Zeit zu erledigen, was natürlich nicht immer gelingt.

Einer von uns beiden kocht immer ein schnelles Mittagessen. Die Nachmittage bis 17 Uhr sind auch unterschiedlich. Je nachdem, wer von uns beiden keine Projekte und Zeit hat, verbringt die Zeit mit Emil. Es wird immer kurzfristig abgestimmt.

Ab 17-21 Uhr haben wir immer Unterricht. Die Tage wechseln wir ab. So gibt es Papa und Mama Abende. Nach dem ganzen Abendprogramm mit Abendbrot, Vorlesen, Bettbringen, ist dann ab halb 8 für den einen für uns Feierabend. In dieser Zeit tauche ich dann oft in der virtuellen Welt unter, lese andere Blogs, oder schreibe einen Post für meinen. Vor halb 12-12 gehen wir selten ins Bett. Gerade nach dem Unterrichten ist man ganz schön aufgeputscht und man braucht etwas Zeit  um runterzukommen. Mal ist ein Fernsehprogramm dabei, mal  Musik oder ein Buch. Wir besprechen dann auch den nächsten Tagesablauf.

 

Du bist in Ungarn aufgewachsen. Gibt es etwas, was du an Ungarn besonders vermisst?

Die Nähe meine Familie vermisse ich immer noch sehr, obwohl wir wöchentlich telefonieren und dank Internet fast im täglichen Kontakt sind. Und den schönen, langen, warmen Sommer.

Fühlst Du dich in Hannover zuhause? Was magst Du hier besonders gern?

Ja! Ungarn ist meine Heimat, Hannover ist mein Zuhause. Hier sind meine Freunde, mein jetziges Leben, viele unsere Freunde.

Als Hannoveraner meckert man gerne über die Stadt, aber ich mag die. Der ist nicht so groß und nicht zu klein, überschauber, vieles mit Fahrrad erreichbar und hat sehr viele Grünflächen.

Was sind deine Tipps für Unternehmungen mit Kindern in Hannover?

Der Zoo Hannover ist auf jeden Fall ein richtiges Abenteuer für den ganzen Tag für groß und klein. Ich glaube ich kenne keinen, der nicht absolut begeistert dort rauskam.

Hast Du ein Lebensmotto?

“Gib den Leuten nicht was sie erwarten, gib, wovon sie noch nie zu träumen wagten.”

(Diana Vreeland)

Vielen Dank!

Fotos: Emil und die großen Schwestern

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8 Antworten auf Interview mit Éva von Emil und die großen Schwestern

  1. Vielen Dank, dass ich hier dabei sein darf! Es hat mir Spaß gemacht deine Fragen zu beantworten. Liebe Grüße, éva

  2. schön (und interessant!) beste Grüsse.

  3. lykke sagt:

    vielen dank für das interview! es gibt doch immer wieder etwas neues zu entdecken, auch wenn man täglicher leser ihres blogs ist. wie schön! liebe grüße, wiebke

  4. zickimicki sagt:

    dankeschön für dieses wunderbare interview mit der wunderbaren eva!:):):)
    liebste grüße birgit

  5. fRau käthe sagt:

    ein tolles inteRview. vielen dank.

  6. isabell sagt:

    was für ein tolles interview! vielen dank an euch beide. herzlichst, isabell

  7. ulma sagt:

    eine tolle frau, die liebe éva – nach diesem interview weiß ich es einmal mehr. sehr, sehr fein.

  8. Stephanie sagt:

    Wunderbares Interview!

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