Interview mit Birte Rüsch von fairretail

Einer der Gründe, warum ich gerne blogge ist, dass ich in meinen Interviews so viele tolle Frauen vorstellen kann. Es ist immer wieder spannend zu erfahren, welche Person hinter dem Designlabel, Blog oder Shop steckt. Heute gibt es wieder eine interessante Frau  kennenzulernen. Birte lebt in der Nähe meiner alten Heimat und  neben Kind und Job hat sie auch noch einen wunderbaren Laden und Online-Shop (mit dem schönen Namen fairretail). Mehr erfahrt ihr nun von Birte selbst:

Stelle Dich bitte vor:

Mein Name ist Birte Rüsch, ich bin 37 Jahre alt und studierte Sozialpädagogin. Ich lebe mit meinem Mann Mathias und unserem gemeinsamen Sohn Jakob (3,5 Jahre alt) in Ovelgönne, einem kleinen Dorf im Alten Land vor den Toren Hamburgs. Wir teilen uns dort mit meinen Eltern, einer Katze, vier Hühnern und einem Hahn ein großes Bauernhaus.

Wann und wieso hast Du fairretail gegründet?

Der Bereich des nachhaltigen Produktdesigns hat mich schon immer sehr interessiert und mit der Geburt unseres Sohnes habe ich fest gestellt, dass es gerade im Bereich der Baby- und Kinderartikel an sich viele tolle nachhaltige Produkte gibt, diese jedoch bisher nur an sehr wenigen Stellen gebündelt zu finden, oder teilweise auf dem deutschen Markt noch gar nicht erhältlich sind. Mit dem Gedanken einen eigenen Laden zu eröffnen, habe ich zu dem Zeitpunkt noch überhaupt nicht gespielt. Ich habe mich aber konstant im Netz umgesehen und mit großem Interesse die immer größer werdende Range an schönen „Bio-Artikeln“ verfolgt.

Zwei Jahre später habe ich dann durch Zufall von einer Freundin erfahren, dass im Stadtteil St. Pauli eine kleine Ladenfläche zu sehr günstigen Konditionen frei wird. Die Entscheidung fairretail ins Leben zu rufen, ist dann sehr spontan gefallen. Man lebt nur einmal und an manchen Wegkreuzungen des Lebens muss man einfach mal die gewohnten Wege verlassen und ein Risiko eingehen. Derzeit arbeite ich zwar noch immer mit stark reduzierten Arbeitszeiten in Teilzeit in meinem alten Beruf (den endgültigen Sprung habe ich dann doch noch nicht gewagt), um mir im Bezug auf die die soziale Absicherung, aber auch Urlaubs- oder Krankheitstage den Rücken frei zu halten. Aber mein Wunsch für das Jahr 2013 ist, mich voll und ganz auf fairretail konzentrieren zu können.

Was waren für Dich die größten Herausforderungen bei der Gründung Deines Ladens / Online-Shops? Hast Du Ratschläge für jemanden, der einen Laden / Online-Shop eröffnen möchte?

Da ich nicht ganz in das kalte Wasser der Selbständigkeit springen wollte, habe ich wie gesagt nach wie vor meinen alten Job in Teilzeit behalten und bin im ersten Jahr immer direkt nach der Arbeit nachmittags in den Laden gegangen. Da Jakob zwei Nachmittage in der Woche mit seinen beiden Omis verbringt, der Laden Montags immer geschlossen ist und eine Freundin mich bei den Ladenschichten unterstützt hat, funktionierte das organisatorisch sehr gut – es durfte allerdings keine der Komponenten ins Wackeln kommen. Und Zeit für mich selber blieb eigentlich auch so gut wie gar nicht. Glücklicherweise war fairretail nach 1,5 Jahren so gut in den Stadtteil integriert, dass ich die Öffnungszeiten erweitern und zwei Aushilfskräfte einstellen konnte.

Insgesamt würde ich aber immer dazu raten, ein solches Projekt zusammen mit einem Partner oder einer Partnerin durch zu führen. Der Druck der auf den Schultern lastet ist doch sehr hoch und es ist gut, wenn man diesen auch manchmal ablegen oder wenigstens verlagern kann. Man sollte sich darüber bewusst sein, dass so eine Gründung in der Startphase meistens mit vielen Einschränkungen einhergeht.

Aber generell möchte ich nur jedem dazu raten, seine Träume zu verwirklichen. Wir verbringen so viel Zeit unseres Lebens mit Arbeiten, da sollte man möglichst das tun, was einem Spaß macht.

Was macht Dir bei Deinem Job am meisten Spaß?

Ich freue mich jeden Tag darüber, eine schöne und vor allem sinnvolle Arbeit zu tun. Und ganz besonders freut es mich immer wieder zu zeigen, dass „Öko“ und „Bio“ heutzutage durchaus mit Design Hand in Hand gehen können. Und am allerschönsten sind die positiven Rückmeldungen der Kunden – das zeigt mir immer wieder, dass der eingeschlagene Weg der richtige ist.

Nach welchen Kriterien suchst Du die Produkte aus?

Alle Produkte müssen fair und nachhaltig produziert werden und aus einem nachhaltigen Material hergestellt sein. Für mich ist aber wie gesagt auch der Aspekt des Designs sehr wichtig. Ich mag schlichte, schöne Formen und Muster und freue mich immer wieder, wenn ich neue Produkte finde, die sich da in unser Sortiment einreihen können.

Wichtig ist mir auch dass die Artikel nicht aus Übersee eingeflogen werden – das ist dann wiederum nicht sehr nachhaltig- sondern maximal aus dem europäischen Ausland kommen.

Welche Produkte verkaufen sich besonders gut?

Es gibt Klassiker wie die tollen Hemden und Pullover aus Wolle/Seide der traditionsreichen Firma Engel, die viele Kunden selber noch aus ihrer Kindheit kennen. Aber auch die tolle bunte Bekleidung von z.B. organics for kids oder DUNS Schweden hat viele Fans gefunden, ebenso wie die niedlichen Sockenaffen von „Hick up“.

Du verkaufst nachhaltige Produkte und lebst in Deinem Alltag bestimmt auch „grün“. Gibt es Bereiche, in denen eine grüne Lebensweise für Dich schwierig umzusetzen ist?

Es ist ja leider nach wie vor so, dass ein „grüner Alltag“ immer auch mit Kosten verbunden ist. Inzwischen bekommt man zwar einige Grundnahrungsmittel wie Milch, Butter, Nudeln, Wurst oder Käse auch bei Discountern zu günstigeren Preisen, aber auch wir müssen zuhause genau schauen was wir uns leisten können.

Nun haben wir aber das große Glück, einen tollen Garten zu haben und ich habe das noch viel größere Glück dass mir das Gärtnern enormen Spaß macht und ich dabei abschalten kann. Dadurch können wir einen Teil unseres Obst und Gemüses selber anbauen und das spart natürlich bereits einige Kosten. Ebenso backen wir unser eigenes Brot selber – es geht super schnell, schmeckt toll und ist enorm günstig.

Generell würde ich sehr gerne viel weniger mit dem Auto fahren, aber da wir auf dem Land leben und ein Kind haben, kann man leider nicht bei Wind und Wetter mit dem Rad fahren und muss auch hier Abstriche bei der grünen Lebensweise machen.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag aus? Wie vereinbarst Du Kind und Arbeit?

Mein typischer Arbeitstag beginnt damit, dass ich unseren Sohn in den Kindergarten bringe und dann mit der Bahn nach Hamburg fahre. Dort arbeite ich von Montags bis Donnerstags bis 14.00 Uhr und mache mich an drei Tagen anschließend auf den Weg in den Laden. An den anderen Tagen sitze ich oft abends (nachdem unser Sohn im Bett ist) am Computer und bearbeite entweder den Mails oder den Onlineshop, lese in verschiedenen Blogs oder halte Ausschau nach neuen, tollen Produkten.

Was sind Deine Tipps für einen Hamburg-Besuch mit Kindern?

Ein absolutes Muss ist ein langer Spaziergang an der Elbe, am besten verbunden mit einer Schifffahrt (die Linie 62 gehört zum öffentlichen Verkehrsnetz und man kann damit eine sehr günstige Hafenrundfahrt machen!).

Toll ist im Sommer die große Grünfläche „Planten un Bloemen“, dort gibt es viele Spielflächen für alle Altersgruppen, Rasenflächen zum pausieren und in den Sommerferien 3 Wochen lang einen kostenlosen Kinderzirkus.

Hast Du ein Lebensmotto?

Mein Lebensmotto hört sich im ersten Moment wahrscheinlich sehr global an, ich versuche es aber auch immer wieder auf meinen eigenen kleinen Kosmos anzuwenden:

„Heute nicht auf Kosten von morgen, hier nicht auf Kosten von anderswo!“

Vielen Dank!

 

 

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Eine Antwort auf Interview mit Birte Rüsch von fairretail

  1. miss.nelomi sagt:

    Das ist wirklich eine zaubehafter kleiner Laden. Gleich bei mir um die Ecke. Jedes Mal wenn ich daran vorbeigehe, muss ich innehalten und ins Schaufenster schauen.
    Wünsche weiterhin viel Erfolg!

    Liebe Grüße,
    Tina

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