Interview mit Claudia Kuzaj von leonello

Neulich erreicht mich die Mail von Claudia, die mir ihr neu gegründetes Label leonello vorstellte. Von leonello gibt es fröhlich-bunte ökologische Kinderkleidung. Mir gefallen die Sachen sehr, daher möchte ich sie euch heute hier vorstellen. Und zwar zusammen mit Claudia, die vor der Gründung ihres Modelabels etwas ganz anderes gemacht hat. Ich finde solche Lebenswege immer spannend und freue mich, dass sie mir meine Interviewfragen beantwortet hat.

Bitte stelle Dich vor:

Ich heiße Claudia, bin 1971 geboren und habe zwei kleine Söhne. Mit denen zusammen und natürlich meinem Mann lebe ich Bremen. Studiert habe ich vor langer Zeit einmal Kunstgeschichte, danach kam ein Volontariat bei einer Tageszeitung und danach wiederum habe ich als freie Journalistin für eine Nachrichtenagentur gearbeitet.

Wie bist Du auf die Idee gekommen, leonello zu gründen?

Die kurze oder die lange Version? Ich erzähl mal die lange. Eigentlich sind damals drei Sachen zusammengekommen. Mein großer Sohn war zwei, als er eine Brille brauchte. Da hörte ich plötzlich von allen Seiten: „Oh, ein kleiner Professor.“ Weil ich aber wollte, dass er einfach wie ein kleiner Junge aussieht, suchte ich dann nach besonders schönen Kindersachen. Fündig wurde bei den skandinavischen Marken, die ja alle so bunt und fröhlich sind. Mir kam der Gedanke, so etwas könnte ja auch mal ein deutsches Label machen und dann vielleicht nur für Jungen, weil Sachen für Jungen noch schwieriger zu finden sind.

Fast zur gleichen Zeit hat bei mir vor der Haustür ein Geschäft mit Bio-Kleidung aufgemacht. Da habe ich zum ersten Mal gehört, wie sich Bio-Baumwolle von konventioneller Baumwolle unterscheidet. Nämlich durch den Verzicht auf Pestizide und andere Chemikalien, was ja wichtig für unsere Gesundheit und die der Baumwoll-Bauern ist. Und auch nur zertifizierte Bio-Baumwolle garantiert, dass es auf dem langen Weg von der Baumwoll-Pflanze zum Stoff keine Kinderarbeit gegeben hat. Laut Unicef arbeiten allein in Indien 175 000 Kinder in der Baumwollindustrie, viele von ihnen bis zu zwölf Stunden täglich.

Als ich dann noch eine kleine Erbschaft machte, war die Idee plötzlich da: Ich mach bunte Bio-Kleidung für kleine Jungs und das Ganze made in Deutschland und natürlich so nachhaltig wie möglich.

Den Namen hatte ich schnell gefunden: leonello. Denn das heißt soviel wie kleiner Löwe und mein großer Sohn ist ja im Sternzeichen Löwe geboren.

Du hast vorher als Journalistin gearbeitet und arbeitest nun in einem ganz anderen Bereich. Hast Du vor Gründung von leonello schon irgendeinen Bezug zur Modebranche, Nähen etc. gehabt?

Nein, ich bin absolute Quereinsteigerin. Ich hab’ mir einfach viel Zeit genommen und mich nach und nach in alles hineingearbeitet. Als erstes hab’ ich Nähstunden genommen, weil ich ja eigentlich die Idee hatte, alles selbst zu machen. Aber an meinem ersten T-Shirt hab’ ich sechs Stunden gesessen. Da hab’ ich dann gedacht, es ist wohl doch besser, die Sachen nähen zu lassen!

Was ist Dir bei der Gestaltung und Herstellung Deiner Kleidungsstücke wichtig?

Wichtig ist mir, dass meine Sachen bunt und fröhlich sind, also nach richtiger Kinderkleidung aussehen. Die leuchtenden Farben sind ebenso typisch für leonello wie der fröhliche kleine Löwe, der überall auftaucht. Dann hab’ ich einen Stoff ausgesucht, der besonders weich ist, so dass sich die Kinder in den Sachen richtig wohl fühlen.

So wohl sich die Kinder fühlen sollen, so wohl sollen sich natürlich auch die Eltern fühlen. Deshalb lasse ich auch all meine Sachen in Deutschland nähen, in einem kleinen Familienbetrieb am Fuße der Schwäbischen Alb. Von der Schwäbischen Alb kommen auch meine Stoffe, alle aus Bio-Baumwolle aus kontrolliert biologischem Anbau, also alle frei von Pestiziden. Ich versuche dann neben der Mischung aus bio und made in Deutschland alles so nachhaltig wie möglich zu machen. Meine Baumwolle kommt zum Beispiel aus der Türkei und aus Griechenland, so habe ich kurze Transportwege, vermeide CO2.

Welche Ziele hast Du für die Zukunft von leonello?

Mit leonello hab’ ich noch viel vor. Idee ist, dass nach und nach immer mehr hinzukommt, bis es irgendwann einfach alles an Kleidungsstücken gibt, was ein Junge braucht.

Typisch für leonello sollen weiterhin die leuchtenden Farben in blau, rot, grün und die fröhlichen Drucke sein. Gerade sind Bodys, Shirts und Mützchen mit roten Sternen fertig geworden. Danach kommen hoffentlich Nickihosen und danach hoffentlich ein neuer Freund für den Löwen. Aber vorher muss ich noch ganz viel verkaufen, denn ich lasse die Stoffe ja extra für mich färben und stricken, so heißt das bei Feinripp, und muss deshalb ziemliche Mengen abnehmen.

Was bringt Dir bei Deinem Beruf am meisten Spaß?

Für mich selbst habe ich mir vorgenommen, in ungefähr drei Jahren von leonello leben zu können. Ich denke, dazu brauche ich 100 Einzelhändler. Fünf Geschäfte habe ich bis jetzt abgeklappert, drei haben gekauft. Fehlen also noch 97, so dass ich noch ein bisschen was vorhabe in nächster Zeit!

Ganz klar, die tollen Kundenreaktionen in meinem kleinen DaWanda-Laden! Kundinnen, die schwanger sind, sich einen Löwen-Body bestellen und mir schreiben, dass sie sich schon so drauf freuen, ihrem Baby den bald anziehen zu können. Kundinnen, die mir schreiben, wie schön weich ihre Kinder die Shirts finden oder dass es die Lieblingsshirts ihrer Kinder geworden sind.

Ganz toll war es auch, als eine meiner drei Bremer Einzelhändlerinnen nach nur fünf Wochen schon nachbestellt hat.

Eine Freundin hat gerade zu mir gesagt: „Du verdienst zwar nicht viel, aber Du erlebst wenigstens was.“ Das passt genau.

Was ist/war für Dich das Schwierigste bei der Gründung Deines Labels?

Besonders schwierig war es, in Deutschland überhaupt eine Näherei zu finden, die bereit ist, so kleine Stückzahlen zu nähen, wie ich sie im Moment brauche und das dann noch zu einem Preis, den ich auch bezahlen kann. Viele Nähereien haben auf meine E-Mails noch nicht einmal geantwortet, andere am Telefon gleich aufgelegt, als sie gemerkt haben, dass ich Quereinsteigerin bin. Meine Näherei ist wirklich ein Glücksfall. Hätte ich sie nicht gefunden, wäre es gar nicht möglich gewesen, gleich mit so vielen Teilen zu starten.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag aus? Wie vereinbarst Du Kinder und Arbeit?

Einen typischen Arbeitstag gibt es bei mir bis jetzt eigentlich noch nicht. Seit zwei Wochen sitze ich jetzt an einem kleinen Katalog. Wenn der fertig ist, habe ich vor, ein neues Tier zu entwerfen, wobei die Vorstellungen dabei in unserer Familie noch weit auseinander gehen: Meine großer Sohn wünscht sich einen gefährlichen Dino, mein kleiner Sohn eine liebe Kuh. Zwischenzeitlich sind auch noch Termine mit Einzelhändlern geplant. Label und Kinder lassen sich ganz toll miteinander vereinbaren. Bis zum frühen Nachmittag sind meine Jungs ja im Kindergarten und so habe ich genügend Zeit für leonello.

Du wohnst in Bremen. Hast Du Tipps für einen Bremen-Besuch mit Kindern?

Da fallen mir gleich die klassischen Sachen wie das Universum und das Überseemuseum mit Dino-Skelett ein. Mein Geheimtipp ist allerdings der unglaublich idyllisch gelegene Erdbeerhof Kaemena. Erst Erdbeeren pflücken, dann mit Bobbycar und Roller an den Feldern vorbei. Aber so etwas gibt es bestimmt auch in Hannover und anderen Städten.

Hast Du ein Lebensmotto?

Jetzt muss ich was Intelligentes sagen, oder? Ich probier einfach gerne immer wieder neue Sachen aus. So wie jetzt gerade das Erdbeermarmeladekochen. Das macht ganz viel Spaß – übrigens genau wie dieses Interview!

Vielen Dank Claudia und viel Erfolg mit leonello!

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